Gedanken zum Thema „Filigran“

Ein Beitrag von Hubert Müller:

Ob sich alle zwölf Fotografen/Fotografinnen zum Thema „Filigran“ über die Definition dieses Wortes in einem Nachschlagewerk oder in anderen Quellen vorab informierten, bleibt unbekannt. Man könnte es aber annehmen, da bereits vor der Besprechung der einzelnen Fotos klar wurde, was die Mehrheit der Teilnehmer/innen unter diesem Begriff verstand. Es wurde bekannt, dass sich das Wort aus dem Lateinischen „filum“ = „Faden“ und „granum“ = „Korn“ zusammensetzt.

Von daher wäre zu erwarten gewesen, dass Bilder gezeigt worden wären mit Objekten, die aus dünnen (Silber-/Gold-) Drähten, besetzt mit Metall-/Edelsteinsplittern, bestehen. Dass dies nicht der Fall war, zeigt nicht so sehr, dass den Teilnehmern die Ethymologie des Wortes „filigran“ unbekannt ist, sondern dass dieses Wort eine Bedeutungserweiterung erfahren hat und zwar in Richtung „fein“,  „feingliedrig“, „zart“ etc.  Mit diesen Definitionen war man beim Erstellen der Bilder nicht zu sehr eingeschränkt, gewisse Grenzen mussten aber eingehalten werden. Insgesamt muss gesagt werden, dass alle zwölf Teilnehmer das Thema erfassten. Dem Ursprung des Wortes nah kommen dabei die Bilder „Filigarn“, „Schatten“ und „Mamas Kette“. Dass im Vergleich zu diesen drei Fotos auch weniger „feine“ Objekte filigran wirken können, zeigen die Fotos „Lampe“ und „Gussteller“. „Getoppt“ wird das Ganze von den beiden „Kran-Bildern“, auf denen sich tonnenschwere Konstruktionen dennoch als filigran zeigen. Nicht nur in von Menschenhand geschaffenen Objekten findet sich Filigranität, sie findet sich selbstverständlich auch in der Natur, wie die Fotos „Frühling“, „Schirmflieger“ und „Blütenstand“ beweisen. Letztlich ist es ja in hohem Maße die Natur, die Vorlagen für filigrane Artefakte lieferte und immer noch liefert. Im Laufe der Besprechung wurde deutlich, dass der Abstand des Fotografen zum Objekt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Themas spielt. Während eine Pusteblume ihre Zartheit sowohl aus der Distanz als auch aus der Nähe ihre Zartheit bewahrt, kann ein Kran seine Filigranität nur aus der Ferne zeigen. Es wurde deutlich, dass unser Auge hinsichtlich der Einschätzung von Größe konditioniert wird. Da wir die Pusteblume kennen, vermögen wir sie größenmäßig stets richtig einzuordnen. Dies gelingt uns allerdings weniger bei einem uns eher unbekannten Webstuhl im Bild „Filigarn“. Von daher mag sich auch die Schwierigkeit erklären, einen Schreib-Lesekopf im Bild „Harddisk“ als filigran zu identifizieren. Dass „filigran“ nicht immer verbunden ist mit einer gewissen Symmetrie zeigt das Bild „Birke“, welches an die Feinheit einer Tuschezeichnung erinnert.